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Coron Wracks
Vorgeschichte

Ab dem Spätsommer 1944 wandte sich langsam das Blatt auf dem pazifischen Kriegschauplatz: Die japanischen Truppen gerieten zunehmend in die Defensive - auch auf den Philippinen, die sie seit 1942 besetzt hielten.
So wurde der Hafen von Manila immer häufiger zum Ziel heftiger US-Luftangriffe. Um dort der drohenden Bombardierung zu entgehen, verlegten Teile der japanischen Versorgungsflotte einige hundert Seemeilen südwestlich in die Coron Bay am Nordzipfel der Calamian Inselgruppe (Distrikt Palawan).
Deren Präsenz am neuen Ankerplatz blieb den US-Streitkräften auch nicht lange verborgen. Doch die Japaner wähnten sich sicher außerhalb der Reichweite der trägergestützten US-Bomber - ein folgenschwerer Trugschluß.

Der Angriff auf die Coron Bay, 24.09.1944

Am 24.09.1944 starteten im Morgengrauen 24 Bomber vom Typ Curtiss SB2C-3 "Helldiver" sowie 96 Grumman F6F "Hellcat" von den östlich vor Leyte liegenden US-Flugzeugträgern. Die "Helldivers" waren mit einer tödlichen Fracht aus 2x 250 kg-Bomben oder einer einzelnen 500 kg-Bombe beladen. Auch die "Hellcats" führten teilweise Bomben mit sich und dienten in der Doppelrolle als Jagdbomber bzw. Geleitjäger.
In mehreren Wellen flogen sie 350 Meilen quer über die Philippinen, und überraschten ihre in und um die Coron Bay liegenden Ziele kurz vor 09:00 Uhr. Von japanischen Flugzeugen völlig unbehelligt und der unzureichenden Schiffs-Flak kaum gestört, luden die amerikanischen Piloten ihre Bombenlast über den bewegungslos vor Anker liegenden Schiffen ab.

Eine tödliche Bilanz

Als die "Helldivers" und "Hellcats" wenig später wieder abdrehten, hinterließen sie ein Trümmerfeld unter dichtem, schwarzem Rauch. Ein Großteil der japanischen Versorgungsflotte in und um die Coron Bay war vernichtet worden, unter anderem folgende Schiffe:
· die IJNS AKITSUSHIMA (Flugboot-Tender)
· die IJNS IRAKO (Kühlschiff)
· die KOGYO MARU (Marine-Versorgungsschiff)
· die OKIKAWA MARU (Tanker)
· die OLYMPIA MARU (Armee-Versorgungsschiff)
· die TAIEI MARU (Armee-Versorgungsschiff)
· die KYOKUZAN MARU (Armee-Versorgungsschiff)
· mindestens drei kleinere U-Boot-Jäger/Kanonenboote ("Lusong Gunboat", "East Tangat Wreck", "Skeleton Wreck")

Der Tanker IJNS KAMOI entkam trotz mehrerer Bombentreffer nach Hong Kong.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass über Verluste unter den angreifenden US-Bombern kaum etwas bekannt ist. Von Perlentauchern wird erzählt, sie hätten vor Jahren einmal die Überreste eines Flugzeuges im Schlamm begraben entdeckt. Leider konnten sie jedoch die besagte Stelle bei einem zweiten Tauchgang nicht mehr wieder finden.
Coron Wreck Bilder

Ausgeplündert und ausgeschlachtet

Der einzige Wermutstropfen Tauchen in der Coron Bay ist wohl der, dass sämtliche Wracks nach dem 2. Weltkrieg von Bergungsunternehmen fast vollständig leergeräumt wurden. Nicht nur Ladung und Bordwaffen wurden entfernt, sondern auch sämtliche Schiffsschrauben abmontiert. Der Plünderungszug hat selbst die Bullaugen nicht verschont!
Bei diesen Bergungsaktionen ist man teilweise nicht zimperlich vorgegangen: Um an bestimmte Stellen im Schiffskörper zu gelangen wurden einfach von außen Sprengladungen gezündet. Die zahlreichen so entstandenen Risse und Löcher in Rumpf und Aufbauten der Coron-Bay-Wracks bieten alternative Einstiegs- und Ausstiegswege für Penetrationstauchgänge.

Einzigartige Tauchbedingungen

Es ist immer wieder eine Ironie der Geschichte, dass gerade kriegerische Ereignisse auch Jahrzehnte danach eine Region prägen. In diesem Fall ist es der Tourismus, der jährlich immer mehr Wracktauch-Begeisterte anlockt. Denn die Tauchbedingungen sind wirklich optimal:
· Ein relativ flaches Plateau mit Maximaltiefen bis 45m bildet den Meeresboden der Coron Bay.
· Die Tiefenverhältnisse eigenen sich hervorragend für die Verwendung von Enriched Air (NITROX).
· Die meisten Wracks liegen in einem relativ kleinem Seegebiet und sind per Boot rasch erreichbar.
· Aufgrund der unterschiedlichen Tiefenniveaus der Wracks kommen sowohl Anfänger als auch Wracktauchprofis voll auf ihre Rechnung.
· Fast alle Wracks bieten atemberaubende Penetrationsmöglichkeiten für erfahrene Taucher.
· An jedem Wrack sind zum Ab- und Aufstieg jeweils am Bug und Heck Ankerleinen befestigt.
· Für Taucher gefährliche Netze haben wir nirgends gesehen, die wenigen verlorenen Leinenreste sind unproblematisch.
· Es gibt nur leichte UW-Strömungen.

Lediglich die Sicht untere Wasser läßt manchmal zu wünschen übrig. Je nach Wetter-, Gezeiten- und Strömungverhältnissen beträgt sie im Durchschnitt zwischen 5 und 15 m. Wir hatten aufgrund der Unwetter im Süden Pech und die Sichtverhältnisse reichten gerade noch für Macro Aufnahmen.


[Quellen:
http://tauchen.nullzeit.at
Kapitän Peter Heimstaedt, History of the Coron Bay air raid of 24 September 1944
www.coronwrecks.com
www.sangat.com.ph
www.combinedfleet.com]

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